Willkommen auf unserem Blog! -> Worum geht es hier?

»…curiosity about the very nature of what sexual desire might be: an internal drive seeking expression — or a pull toward another person? Does it involve love and affection or preferably not? Is the gender of the object choice significant or rather the particular practices that give pleasure? Why do people do it? What exactly is it? Is sex a performance or a gift, a reassurance or a release, a process-oriented sensuous exploration or a goal-oriented endeavor, a means or an end? Is it a horror or a banality – or an absolute delight?«
(Dagmar Herzog)

 

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‚luhmen d’arc‘ widmet sich der Sache mit Lust und Begehren, Sinn und Sinnlichkeit — ihren schönen, merkwürdigen, heiteren, aufregenden, trivialen, komplexen, bescheuerten, beängstigenden, beflügelnden Seiten. Diese Aufzählung ließe sich endlos fortführen. Weil sich das Gewusel unter dem Dachbegriff des „(A-)Sexuellen“ einfach nicht endgültig fassen lässt und eh so schwer zu denken ist. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr Fragen tauchen auf. Je mehr Entfaltungsspielraum man seinen Sexualitäten schenkt, desto schöner und auch rätselhafter werden sie. Deswegen gestalten wir Formate, in denen das wohlwollend neugierige Weiterfragen, Weiterfühlen, Weiterdenken, Weiteraustauschen gemeinsam mit anderen Entdeckergeistern möglich ist. Diese explorativen Räume umfassen Workshops, Sessions, Playspaces, Performances, Coaching; gewidmet den vielfältigen Aspekten von Intimität und Begehren, erfinderischen Formen der Begegnung und Kommunikation, dem Entdecken neuer Sensibilitäten und Grenzen. Dabei geht es dann zum Beispiel um Praktiken wie das Fesseln und Massieren, um Qualitäten wie Albernheit oder Creepiness und ein Ernstnehmen von Fragen wie „Wie finde ich denn heraus was ich will?“

Der Name unseres Projekts spielt mit Licht und Schatten, weil unser Herz für die nicht bestimmbaren, bunt-schillernden Grauzonen dazwischen schlägt. Ambivalentes, Irritationen, Zweifel, Ergebnisoffenheit sind uns liebe Wegbegleiter auf einem Weg, auf dem auch mal ungeschickt gestolpert werden darf — ein gutes Zeichen, sich auf noch nicht glatt getrampelten Pfaden zu bewegen und dass die Wegbegleiter unterschiedlich sein dürfen. „The bumpier the ride could be an expression of the degree to which one style of embodiment has not determined an ethical or social horizon. Rather than equality being about smoothing a relation, perhaps equality is a bumpy ride.“ (Sara Ahmed: Living a Feminist Life, 2017).
Statt schnurstracks auf ein Ziel hin zu steuern, ist uns die Methode des Flanierens näher, gewissermaßen einer queeren Route zu folgen. Wem wir auf dem Weg begegnen und was wir finden entscheidet, wohin die Reise geht. Nicht, was sich vorher fest vorgenommen wurde. Es gibt viele Richtungen.

Wir wollen erfinderisch werden, nach neuen Arrangements von Körpern Ausschau halten, wollen nicht vorwegnehmen und kategorisieren in Vorgekautes – kink, vanilla, poly, tantra, conscious, you name it und schon ist alles klar, gecheckt, ich kenn mich aus! Wenn wir uns mit etwas identifizieren sollen, dann vielleicht am ehesten mit „Schmuddelkinder“, mit denen man bekanntlich nicht spielen sollte. Gerade deswegen machen wir das aber so unverschämt gern!

Mit großen Heilversprechen möchten wir Euch ebenso wenig belästigen wie mit Trennungen von Körper und Geist, die zu haarsträubenden Vorwürfen des „Verkopftseins“ führen. Das Stellen wir gern auf den Kopf. Im Wort „Begreifen“ steckt der Tastsinn. Wir geben beidem Raum: Verstehenwollen und (gern auch scheinbar „blöde“) Fragen stellen, gemeinsam mit dem sinnlich-materiellen, körperlichen Empfinden. Im Wort „Begreifen“ stecken auch die grabschenden, klammernden Griffel – that’s a tricky one! Ein fester Griff kann Geborgenheit schenken oder beklemmend wirken. Und mit leeren Worthülsen wie „achtsam“ oder „absichtslos“ ist es da nicht getan, wenn gerade die lapidare Flughafenkontrolle für die oder den Eine*n zum viel aufregenderen Erlebnis wird, als die Tantramassage…. Ebensolchen Widersprüchlichkeiten gehen wir nach und schauen auch, wo das „sentir“ – das „Fühlen“ ja auch im Begriff „Konsent“ drin verwurzelt ist. Nicht zuletzt hat das „Be_greifen“ ganz viel nicht nur mit Ratio und Physis, sondern auch mit Phantasie zu tun! Der Greif, das mythische Fabelwesen, steckt im „Begreifen“; dieses Mischwesen aus Katze und Vogel, das Stärke und Wachsamkeit symbolisiert — hätten wir ein Wappen, dann würde das als Krafttier eigentlich ganz wunderbar unseren Ansatz repräsentieren. Weil es oft als Hüter besonderer Schätze dargestellt wird und wir es lieben, unterschiedliche Praktiken, Methoden und Themen miteinander zu kombinieren, die sowohl beflügelnd als auch erdend wirken.

Deswegen untersuchen und berauschen wir unsere Ansätze durch Theorie, Kunstwerke, Popkultur und historische Materialien und hier auf dem Blog reflektieren wir im Essayformat unsere Erfahrungen, halten Punkte aus stundenlangen Diskussionen fest, spinnen Gedanken weiter und begeben uns am liebsten an die ausfransenden Säume des Themas — um sie mit allen zu teilen, denen Blogeinträge, die immer nur den nächsten Vibrator bewerten, irgendwie nix mehr sagen.

Alle aktuellen Beiträge (und ältere in der Archivsuche) finden sich hier rechts in der Leiste →
Darüber hinaus schreibt Beata immer wieder für das Avenue — Magazin für Wissenskultur.

Warum das alles? Weil Körper, Intimität, Zusammenkommen doch immer wieder die simple Frage vom Anfang stellen: Wie wollen wir zusammen leben? Und in einer Welt die sowohl aus Selbstzweifeln als auch Selbstverbesserung Profit schlägt, können alternative Ansätze als Widerstand und Inspiration wirken.

Wir freuen uns über reges Mitlesen und Rückmeldungen! Nichtsdestotrotz: „Genuines […] Wissen kann nicht allein dadurch geschaffen werden, dass man über Workshops liest. Dem Prinzip des Selbstversuchs folgend, ist es wichtig, das Risiko körperlicher und kollektiver Praktiken einzugehen“! (P. Preciado – Testo Junkie)

Ausführliches zu unseren Veranstaltungen auf www.luhmendarc.com

Enjoy!

Beata & Matís


Copyright der Texte liegt bei Beate Absalon


 

‚luhmen d’arc‘ is dedicated to the manifold aspects of lust and desire, sense and sensuality— its beautiful, strange, cheerful, exciting, irritating, trivial, complex, stupid, frightening, inspiring qualities. This series of adjectives could be continued endlessly. Because the buzz that is happening under the umbrella term „sex“ simply cannot be finally grasped. The more one deals with it, the more questions emerge — and the more enthusiasm on our side, to continue asking, feeling, thinking, exchanging. That’s why we create formats in which this is possible together with other explorers. These experiential spaces include workshops, sessions, playspaces, performances; dedicated to intimacy and desire, inventive forms of encounter and communication, and the discovery of new sensitivities and boundaries. This involves, for example, practices such as bondage and massage, qualities such as silliness or creepiness, and taking seriously questions such as „How do I find out what I want?

Our collective name plays with light and shadow, because our heart beats for the indeterminable, colourfully iridescent grey zones in between. Ambivalence, irritation, doubt, openness are dear companions to us on a path on which one may stumble clumsily – a good sign that we are moving on paths that have not yet been trodden evenly. And „the bumpier the ride could be an expression of the degree to which one style of embodiment has not determined an ethical or social horizon. Rather than equality being about smoothing a relation, perhaps equality is a bumpy ride.“ (Sara Ahmed: Living a Feminist Life, 2017).
Instead of heading straight for a goal, the method of strolling is closer to us, to follow a queer route, so to speak. Who we meet along the way and what we find decides where the journey will take us. Not what has been firmly decided before. There are many directions.

We want to become inventive, look for new arrangements of bodies, rather than categorize in cookie-cutter-approaches — kink, vanilla, poly, tantra, conscious, you name it and everything is clear, check, I know my way around!

We don’t want to bother you with fixed answers or great promises, nor with separations of body and mind. The word „grasp“ contains the sense of touch. We give room to both: the desire to understand and questions, together with physical sensation. The word „grasp“ also contains grabbing – that’s a tricky one! A firm grip can give a feeling of security or have an oppressive effect. And with empty words like „mindful“ or „unintentional“ it is not enough when the lapidary airport control becomes a much more exciting experience for the one or the other than the tantra massage…. We follow up such contradictions and also look where the „sentir“ – the „feeling“ is rooted in the term „consensus“. Last but not least, „grasping“ has a lot to do not only with reason and physicality, but also with fantasy! The griffin, the mythical mythical creature, is in „grasping“; this mixed creature of cat and bird, which symbolizes strength and vigilance – if we had a coat of arms, then as a power animal it would actually represent our approach quite wonderfully. Because it is often depicted as the guardian of special treasures, and we love to combine different practices, methods and themes that are both inspiring and grounding.

Therefore we (re)investigate and infuse our approaches with theory, artworks, pop culture and historical materials, and here on our blog we write essays to reflect on our experiences, capture essences from hours of discussions, spin thoughts further and prefer to go to the fraying seams of the subject — to share them with all of you who are tired of blog entries only reviewing the next vibrator.
All our posts can be found here on the right →

Why all this? Because narratives of (a-)sexuality serve definitions of society and alternative approaches can act as resistance and empowerment against a world that benefits from standardization and self-doubt.

We are looking forward to active readers and feedback! Nevertheless: „Genuine […] knowledge cannot be created by reading about workshops alone. Following the principle of self-experimentation, it is important to take the risk of physical and collective practices“! (P. Preciado – Testo Junkie, translated by BA)

Our events on www.luhmendarc.com

Enjoy!

Beata & Matís


Copyright of the texts by Beate Absalon